DAS GUTSGEBÄUDE  ALBU

Die ersten Nachrichten vom Gut Albu (Alp) stammen vom Jahre 1282, so ist Albu das älteste Ordensgut in Järvamaa und eines der ersten in Estland. Das Hauptgebäude des Gutes ist als Architekturdenkmal unter Staatsschutz. Albu war sowohl nach der Einwohnerzahl als auch nach der Gröbe des Ackerlandes eines der gröbten Güter in Järvamaa. Das Gutsensemble ist nicht reich an unbeschädigt gebliebenen Gebäuden (der Speicher, die Bogenbrücke,   das Vorratshaus, die Branntweinbrennerei, der Park). Früher sah das Ensemble viel reichlicher aus und das Gut Albu mit seinen Dörfern gehörte zu Erbbesitztümern des livischen Ordens.

Wenn man im Jahre 1995 das Gebäude wiederherzustellen begann,  kam viel Interessantes zum Tageslicht  wovon die Geschichte des Gutes bis jetzt geschwiegen hatte. Früher hatte das Gutsgebäude zürückhaltendes Interieur und Exterieur, im Verlauf  der Restaurierung  wandelte das Gebäude  in eine glänzende Perle der Gutsarchitektur (das Foto).

 

Wenn der geschlossene Kellerteil und die Fubböden geöffnet wurden, stellte sich heraus, dab das  Gebäude schon wenigstens im 14. Jahrhundert an derselben Stelle lag. Unter dem nordwestlichen Flügel  gab es Teile eines Hauses aus Land- und Kalkstein. Vermutlich befand sich an derselben Stelle ein befestigtes Rittershaus oder eine kleine Burg, denn das Gebäude befand sich auf einem künstlich angehäuften Hügel  und war teilweise mit einem Flub umringt (das Foto).

Im Kellergeschob gab es eine Menge Bauschutt und es gelang festzustellen, dab das Gutsgebäude zweimal gebrannt hatte. Während der bauarchäologischen Untersuchungen wurden ebenso aus dem 16. Jahrhundert stammende Ofenkacheln entdeckt, die mit  dunkelgrüner Glasur und  reljefem Blumenornament bedeckt sind. Das weist darauf hin, dab auch das sog. zweite Gutsgebäude da war. Auf dem Sockelstock des Gebäudes ist ein Fragment der mittelalterlichen Mauer exponiert worden (das Foto).

 

Die ältesten schriftlichen Angaben von den Gutsbauten stammen vom Jahr 1742. Das heutige einstöckige Barockgebäude (das sog. dritte Gebäude) hat einen hohen Sockel, zwei sich nach hinten erstreckende Flügelbauten und ein Scharnierdach.  Ein dreieckiger Hausgiebel betont die Zentralachse der  Fassade.

Vermutlich war das Gutsgebäude in seiner heutigen   Gestalt schon Anfang des 18. Jahrhunderts oder sogar Ende des 17. Jahrhunderts da. Von der Geschichte des Gutes Albu wissen wir, dab Adam Schrapffer im Jahre 1652 1500 Staatstaler geliehen hat um das neue Gutszentrum auszubauen.

 

Im Jahre 1888 wurde die Holzveranda gebaut, die damals als eine Grobmode in Gutsarchitektur galt (das Foto).  Der Dekor ist schlicht und lakonisch. Die Räume befinden sich sowohl nebeneinander als auch im Korridorsystem (das Foto). Im  Inneren des Gebäudes  gibt es einen Mantelschlot, dem der Architekt  im Verlauf der Restaurierung eine neue Funktion als Wendeltreppe gegeben hat (das Foto).

 

Im Interieur sind der Barock-Ofen aus weibblauen Kacheln und klassizistische Öfen aus weiben Kacheln bewahrt worden. Im Kellergeschob befinden sich Gewölberäume, die sich gegen vierkantige und zylindergewölbene Pfeiler stützen (das Foto). 

Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts waren Gutsgebäude verhältnismäbig zurückhaltend. Die stattlichen Bauten waren ziemlich aubergewöhnlich, da der Nordische Krieg (1700- 1721) die meisten Bauten vernichtet hatte. Man kann nur vermuten, dab es in Albu nur ein Teil während des Nordischen Krieges vernichtet wurde (der nordwestliche Flügel). Die gröbten Umbauten des Gutsgebäudes fanden Anfang des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt.

Bis zu einem gewissen Grade haben alle Gutsgebäude das Gesicht ihres Besitzers. Wahrscheinlich war es  so auch in Albu. Albu’s Gut hat mehrere Besitzer gehabt, einige von denen waren gemäb den Volkstraditionen ziemlich koloristisch.

 

Während der Restaurierung des Vorraumes im Jahre 1998 wurde eine Monumentalbemalung entdeckt – an den Wände 35 M2 und an der Decke 38 M2. Der Vorraum ist nur einmal gestrichen worden – wahrscheinlich schon Ende des 17. Jahrhunderts. Die Untersuchungen beweisen, dab der Vorraum im Brand unberührt  blieb. Die Grundlage der Bemalung bilden behaute Holztragbalken (das Foto). Vor der Malerei wurden breitere Spalten zwischen den Tragbalken mit Papier zugeklebt. Teilweise ist die Bemalung durch spätere breitere Türöffnungen und einige verwesene Tragbalken beschädigt worden. Verwesene Tragbalken wurden später ausgewechselt. Die Deckenbemalung sieht  ziemlich unbeschädigt aus.

 

Seit 1742 war der Besitzer des Gutes die Familie von Douglas. Wahrscheinlich  befestigte Gustav Otto von Douglas das Deckenplafond auf die Deckenbemalung und verputzte die Wände. Das Deckenplafond des Vorraumes ist weib, mit einem Ornament in grauen Tönen. Heute ist das Plafond in einem anderen Raum aufbewahrt worden. Da das ursprüngliche Material der Bemalungen und ebenso der Holzkonstruktionen ziemlich unbeschädigt war, wollten die Restauratoren das Interieur möglichst genau wiederherstellen. Sie haben auch einige Mörtelzapfen aufbewahrt. Nach der Restaurierungsarbeiten wirken die Wand-und  die Deckenbemalung zauberisch und verklärend.

 

Auber den Bemalungen im Vorraum wurde noch ein anderes Deckenplafond entdeckt dessen Barock-Bemalung einen hohen künstlerischen Wert ist, gut zum Gesamtstil des Gebäudes pabt und  die wertvolle Kollektion der Kunstwerke vervollständigt (das Foto).

Die Restauratoren haben alle unikale Details des Gutsgebäudes aufbewahrt oder sie als Gestaltungselemente im Inneren des Gebäudes benutzt (das Foto).

 

Die Gutsarchitektur hat andauernd die Lebensweise und den Schönheitssinn unserer Ureltern beeinflubt. Gutshäuser und Parks spielen eine wesentliche Rolle im Landschaftsbild Estlands.

 

Das Leben auf dem Gutshof Albu ist ebenso interessant gewesen wie  seine Baugeschichte. In den Jahren 1717 – 1740 arbeitete in Albu (wahrscheinlich nicht im Gutsgebäude) die sogenannte Waisenschule, wo verwaiste und verarmte Adelskinder gebildet wurden. In der Schule lernten auch Esten und Russen, die nicht dem Adelsstand angehörten. In den Geschichtsurkunden nennt man diese Schule auch als “Rittersakademie”. Dort lernten die Kinder alte Sprachen, Französisch, Deutsch, Fechten, Tanzen, Geschichte, Architektur, Geographie und Kriegswesen.

Nicht weit vom Gutshof befindet sich der Geburtsort des  berühmten estnischen Schriftstellers A. H. Tammsaare. Auch Järva-Madise ist nicht weit von Albu, da kann man eine im  13. Jahrhundert gebaute Kirche besichtigen. Seit 1921 arbeitet im Gutsgebäude   eine Schule  (das Foto).

 

Text :  Aino Pung

 

Fotos:  Jaak Anvelt

 

Öffnungszeiten des Gutes:  1. September - 1. Juni ab 14.30 (die Voranmeldung Tel. 038 37761, 038 20501).

Öffnungszeiten für Touristen im Jahr 2002:  29. Juni - 18. August vom Mittwoch bis Sonntag  12.00 – 18.00.

29. Juni –  26.Juli:  eine Textilausstellung (im Zusammenarbeit mit der Estnischen Kunstakademie);

27. Juli - 18. August: die Ausstellung des estnischen Malers Tiit Pääsuke (Information Tel. 052 14270)

                        

Kontakt:

aadress: ESTONIA Järvamaa, Albu vald, Järva-Madise,  73401

e-mail: albu.vald@albu.ee

telefon: +372 38 20 501

faks: +372 38 20 500